Familienkonzert der Opernfestspiele
Bad Hersfeld

Am 22.06.2010 fand das Eröffnungskonzert der 50. Bad Hersfelder Opernfestspiele im Erlebnis Bergwerk Merkers im Großbunker statt. Im Video sehen Sie sehen verschiedene Ausschnitte aus dem Programm.

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Familienkonzert der Opernfestspiele Bad Hersfeld

Das Eröffnungskonzert der 50. Bad Hersfelder Festspielkonzerte bringt Musik für die ganze Familie.

Mittelpunkt des Programms ist Peter und der Wolf, das musikalische Märchen schlechthin. Es gehört zu den gelungensten und populärsten Kompositionen, die den einfallsreichen Prokofjew unsterblich gemacht haben. Aber noch mehr, Kinder und Erwachsene werden spielerisch und dabei seriös mit den Instrumenten des klassischen Orchesters vertraut gemacht.

Ein Sprecher erzählt eine ganz einfache Geschichte von einer Ente, die zum Hof hinauswatschelt, einem Vogel, dem eine Katze nachstellt, einem Wolf, der die Ente verschlingt, von Jägern, die auf den Wolf schießen, ihn aber nicht treffen, und vor allem von Peter, der im Bündnis mit dem Vogel den Wolf überlistet. Alle zusammen, auch Peters Großvater, führen den gefangenen Wolf in den Zoo, und zu guter Letzt hört man noch aus dem Bauch des Wolfes die Ente quaken. Das lässt hoffen, dass sie vielleicht doch noch gerettet wird.

Jede der Figuren hat der Komponist mit einem Orchesterstücklein von eigener Instrumentalfarbe charakterisiert - den Vogel durch die Flöte, die Ente durch die Oboe, die Katze durch den samtenen Klang der Klarinette, den Wolf durch das Horn, den Großvater durch das Fagott, die Jäger durch Trommel-Schüsse, und Peter, den Helden des Märchens, durch die Geige.

Die Sinfonia Silesia, das Polnische Nationalorchester von Radio Kattowitz, wird dieses Werk in hoher Qualität und mit Spielwitz interpretieren. Der Sprecher ist der bekannte Bass-Bariton Elmar Andrée, der im August 2009 bei den 30. Opernfestspielen in der Hersfelder Stiftsruine als Bajazzo in der Leoncavallo-Oper Der Bajazzo glänzte.

Mozarts Dorfmusikantensextett KV 522 ist ein musikalischer Spaß. In einem Menuett mit der bombastischen Tempoangabe "Maestoso" ist zu belachen, wie die Hörner aus dem Konzept kommen und die Terzparallelen, die man erwartet, zu einem Dissonanzensalat geraten. Hört man all diese Satzverstöße von den Dilettanten gespielt, die Mozart parodiert, so wäre das Vergnügen gering. Aber von Meistern gespielt, die alle Verfehlungen gegen den Geist der Musik mit professioneller Reinheit intonieren, wirkt Mozarts Clownerie unwiderstehlich komisch.

Haydns Abschiedssinfonie Nr. 45 in fis-Moll ist ein versteckter Wink des Komponisten Haydn an den Fürsten Esterházy, bei dem Haydn als Hofkapellmeister tätig war. Die Hofkapelle war über die Maßen im Einsatz und strapaziert und verlangte nach Urlaub. Dies drückte der listenreiche Komponist Haydn sehr bildhaft aus: Nach einer Generalpause geht das Presto in einen fünften Satz über, ein Adagio, in dem ein Instrument nach dem anderen verstummt. Man muss sich vorstellen, dass die Musiker nacheinander die Kerze auf ihrem Pult ausblasen und davonschleichen, zuerst Oboe und Horn, dann der Fagottist, dann die zweite Oboe und das zweite Horn, schließlich sogar die Streicher, bis, fast im Dunklen, nur noch zwei einsame Geiger auf der Bühne sitzen und die Sinfonie pianissimo und con sordino zu Ende spielen. Diesen Wink hat denn Haydns Dienstherr begriffen er entließ die Kapelle in den längst fälligen Urlaub.

So endet dieses begeisternde Familienkonzert, wie es begann: mit einem musikalischen Spaß.

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